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Lokales Löbau
14.05.2004


Neusalza-Spremberg

Kein "Knast" im Schullandheim

Friedersdorfer Elektrohaus Münnich richtet Rechenzentrum für Internetfirma ein

Peter Stache

Für das Schullandheim in Neusalza-Spremberg ist eine Lösung gefunden worden. Neuer Nutzer ist das Elektrohaus Münnich aus Friedersdorf. Das Unternehmen will dort ein Rechenzentrum für seine Internetfirma einrichten.

Das Elektrohaus Münnich hat sich in den letzten Jahren zu einem der größten Dienstleister für die Präsenz von Privat- und Geschäftskunden im Internet entwickelt. Es verwaltet mehr als 120 000 Homepages für seine Kunden und gehört in seiner Branche zu den bedeutendsten Unternehmen in Deutschland. Die monatlichen Einschätzungen nach Service und Kundenzufriedenheit, erklärt Geschäftsführer René Münnich, bescheinigen den Friedersdorfern einen Platz unter den Top Fünf. Seit der Fertigstellung des Verkaufs- und Geschäftshauses 1994 an der Friedersdorfer Hauptstraße hat sich die Mitarbeiterzahl von zehn auf 32 erhöht. Davon sind 26 im Schichtdienst in der Internetfirma beschäftigt. Deren Umsatz macht inzwischen das 20-fache des Ladengeschäftes mit elektrischen Haushaltsgeräten aus.

Für die Betreuung der Kundenhomepages betreibt die Firma Münnich zurzeit zwei Rechenzentren in Dresden und eins in Erfurt. Zur Wartung der Anlagen sind dazu lange Anfahrtswege erforderlich. Mit dem Freiwerden des Schullandheims in Neusalza-Spremberg bietet sich nun ein geeignetes Objekt in der Nähe. Von Vorteil ist auch die geringe Entfernung zur nächsten Übertragungsstation und zum Anschluss ans Netz. „Außerdem können wir unsere Kapazität erweitern“, sagt der Geschäftsführer. Acht neue Arbeitsplätze würden geschaffen.

René Münnich erfuhr von der Problematik um das Schullandheim aus der Zeitung. Die Neusalza-Spremberger hatten auf einer Einwohnerversammlung heftig gegen die Umwandlung in ein Heim für sozial gefährdete Jugendliche protestiert. Zeitweise wurde von einem „Jugendknast“ gesprochen. Nach dem Rückzug der GmbH, die das Heim übernehmen wollte, stand erneut die Frage nach einem Nutzer. René Münnich wandte sich deshalb an die Dresdner Wohnungsgenossenschaft „Aufbau“ als Eigentümer des Grundstücks. Noch im April kam es zum Mietvertrag.

Bürgermeister Günter Paulik ist froh über diese Lösung. Damit sei letztlich den Bedenken der Bürger Rechnung getragen, betont er. Auch die Stadt hätte gründlich genug das Angebot abgewogen, erinnert er. Es hätte ein Vereinshaus werden können. Dann hätte es auch für Familien- und andere Festlichkeiten zur Verfügung gestanden. Aber die Vereine haben sich in den vergangenen Jahren eigene Möglichkeiten geschaffen. Feiern können auch im Anbau am Rathaus, in der Turnhalle und nicht zuletzt bei der Gastronomie abgehalten werden. „Der IB als Betreiber des Schullandheimes hat sich bis zuletzt große Mühe gegeben, das Haus am Leben zu erhalten“, betont das Stadtoberhaupt.

René Münnich will nun nicht nur einen Teil, sondern das gesamte Gebäude nutzen. „Es ist eine gute Lösung“, erklärt er. Der Mietvertrag ist für fünf Jahre abgeschlossen. Aber er möchte das Objekt gern kaufen. Entscheidend jedoch wäre, wie er seine Vorstellungen realisieren kann. Außer den notwendigen technischen Voraussetzungen für das Rechenzentrum könnten Büroräume und im Obergeschoss Wohnungen entstehen. Darüber müsse nun „schnellstmöglich“ Klarheit bestehen, um mit der Investition zu beginnen. Das Elektrohaus in Friedersdorf wird fortgeführt.



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